Flächentypen
Permakulturelle Prinzipien lassen sich auf jeder Fläche (und in vielen anderen Bereichen des menschlichen Lebens) sinnvoll anwenden. Jede Planung wird angepasst an die Größe, die Lage, den Standort, die örtlichen Einflüsse und natürlich die gewünschte Nutzung und die beteiligten Menschen, die diese Fläche nutzen wollen. Hier ein paar Beispiele:
Permakulturgärten

- Ein Permakulturgarten wird ökologisch bewirtschaftet. Es wird vollständig auf chemisch-synthetische Behandlungsmittel und Dünger verzichtet.
- Es gibt zahlreiche Pflanzenarten (darunter viele mehrjährige und vielseitig verwendbare) und -Sorten, die kleinräumig gemischt angebaut werden.
- Es wird soviel eigenes Saatgut produziert wie möglich, was fehlt, wird von Nachbarn eingetauscht oder von alternativen Saatgutinitiativen wie Dreschflegel oder Bingenheimer bezogen, die sich auch um den Erhalt alter Sorten bemühen.
- Alle Beete sind mit Mulch bedeckt.
- Das Regenwasser von allen versiegelten Flächen (z. B. Dächern, befestigten Wegen) wird vollständig auf der Fläche gesammelt, gespeichert und genutzt oder versickert.
- Die Nährstoffversorgung der Pflanzen beruht auf mehreren Standbeinen, darunter z. B. Kompost, Mulch, Gründüngung, Anbau von Mulchpflanzen, Wurmfarm mit Flüssigdüngergewinnung; eine Komposttoilette stellt einen Nährstoffkreislauf her.
- Bauliche Strukturen wie Schuppen, Wege oder Gewächshäuser werden nicht für die Ewigkeit gebaut - der Garten ist ein dynamisches, sich fortwährend entwickelndes System! - , dafür aber möglichst mit regionalen oder gebrauchten Baustoffen.
- Durch ein gesundes und aktives Bodenleben, eine harmonische Ernährung aller Pflanzen und Tiere und deren Auswahl unter Berücksichtigung der Standorteigenschaften, Förderung eines natürlichen Lebensnetzes durch Bereitstellung von Biotopen und Nahrung für alle trophischen Ebenen gibt es nahezu keine Probleme mit Krankheiten oder Schädlingen.
- Alle Bestandteile des Gartensystems werden bewußt geplant, optimal angeordnet, funktionell miteinander verbunden und ergänzen sich gegenseitig.
- Überschüsse, die man nicht selber verwerten kann, werden geteilt oder getauscht.
Solche Permakulturgärten gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen, weil natürlich immer eine individuelle Anpassung an den jeweiligen Standort und die Wünsche der Gartennutzer erfolgt. Vorbild für ein Permakulturobjekt kann zum Beispiel ein Wald, eine Steppe oder ein See sein. Jede Planung berücksichtigt die vorhandenen Strukturen und Bedingungen sowie das Potential der Fläche.
Waldgarten
Ein Waldgarten besteht wie der natürliche Wald (nicht der künstliche, monokulturelle "Forst") aus mehreren Schichten: Kraut-, Strauch- und Baumschichten. Hier werden Kultur- und wilde Nutzpflanzen auf einer Fläche so kombiniert, dass sie in der Summe einen höheren Ertrag bringen, als zum Beispiel eine reine Obstwiese. Bäume bremsen den Wind und verhindern so Wasserverluste der Kräuter und Sträucher, der angepflanzte Unterwuchs kann sich positiv auf das Wachstum der Bäume auswirken. So ergeben sich viele nützliche Beziehungen. In den Tropen ist dieses Verfahren schon seit langem bekannt. In unseren Breiten, mit geringeren Licht- und Wärmeeinstrahlungen sind allerdings Anpassungen notwendig, um das gleiche Ziel zu erreichen. Auch ein Waldrand oder eine Waldlichtung kann ein Vorbild sein für ein permakulturelles System: ein höhengestaffelter Aufbau, der alle Pflanzenarten mit ausreichend Sonne versorgt oder eine von höheren Gewächsen umgebene „Sonnenfalle“.

Hospikultur ("Mini-Chinampas")
Aus Peru stammt diese spannende Flächennutzungskonzept für wasserreiche Gebiete oder Feuchtflächen, bei der sich Hügelbeete mit dazwischen liegenden Wassergräben und Wegen abwechseln. Das Wasser versorgt die Beete mit Feuchtigkeit und dient als Wärmespeicher, stickstoffsammelnde Algen werden abgefischt und dienen als Dünger auf den Beeten, Ernterückstände oder -überschüsse können an pflanzenfressende Fische in den Gräben verfüttert werden und liefern ihrerseits eiweißreiche Nahrung.

Mandalagarten
Ein Mandala ("Kreis") ist ein kreisförmiges oder auch quadratisches, symbolisches Gebilde mit einem Zentrum, das ursprünglich im religiösen Kontext verwendet wurde. Übertragen auf eine Gartenfläche bedeutet das z. B. kreisförmig angeordnete Beete, wobei die Abgrenzungen der einzelnen Ringe mit kleinen Wällen oder Pfaden erfolgt. Denkbar sich aber auch wasserspeichernde Gräben, je nach den Niederschlags- und Bodenverhältnissen vor Ort. Das Zentrum kann hervorgehoben oder erhöht werden. Ein geeignetes Objekt hierfür kann ein Obstbaum oder ein rundes Gewächshaus sein. Auch wandernde Frühbeete, Obststräucher oder Komposthaufen lassen sich integrieren. Die Beete sind optisch ansprechend, gut zugänglich und damit auch für Schau- oder Demonstrationsgärten sehr gut geeignet.
Kratergarten
In manchen Regionen gibt es ganze Wohnanlagen oder Dörfer, die in die Tiefe gebaut werden, um so dem Wind oder der Hitze zu entgehen. Bei entsprechenden Bedingungen, z. B. an exponierten Küsten, wären kleinere Varianten als "Kratergärten" auch in unseren Breiten eine Option. Das Prinzip entspricht dem einer Kräuterspirale, die in den Boden versenkt wird. Windgeschützte Pflanzen verbrauchen weniger Wasser und können besser wachsen als dem Wind ausgesetzte. Auch die Bewässerung lässt sich mit Hilfe der Schwerkraft ohne Aufwand bewerkstelligen.
Balkon
Permakultur kann auch auf kleinen Flächen verwirklicht werden. Durch eine ausgeklügelte Nutzung der ganzen Fläche auf mehreren Ebenen, mit sorgfältig ausgewählten Pflanzen, durch das Anzapfen von Fallrohren und die Kompostierung von Küchenabfällen können auch sie ertragreich sein und einen Beitrag zur Ernährung der Bewohner beitragen. Ein Beispiel für die permakulturelle Umgestaltung eines Balkons findet sich auf www.Cityfarmer.de.
Agroforstkultur
Im Gegensatz zum Waldgarten wird die Agroforstkultur auf größeren Flächen betrieben. Hierbei werden landwirtschaftliche Kulturen mit forstwirtschaftlichen kombiniert. So können sich z. B. Getreide, Kartoffeln, oder Rüben mit Baum- und Strauchreihen abwechseln. Auch hier wirft die Fläche durch synergistische Wirkungen größeren Ertrag ab, als wenn die einzelnen Nutzungen auf separaten Flächen angesiedelt werden. Die Baumreihen wirken hierbei auch als Windschutz und Nährstofflieferanten und -akkumulatoren. Agroforstkulturen können auch mit einer Tierhaltung kombiniert werden, was für alle Beteiligten weitere Vorteile bieten kann.
