Die Ethik der Permakultur
Zu einer dauerhaften Stadt- und Landkultur gehört nicht nur die Sorge um das eigene Wohl, sondern auch die Sorge um das Wohl der Mitmenschen. Keiner kann für sich alleine existieren. In Beziehung treten zu anderen kann man aber nur, wenn man für andere - im wahrsten Sinne des Wortes - etwas übrig hat. Etwas übrig haben kann man nur, wenn man mehr hat als man selbst benötigt. In der Natur ist es auch so, dass jeder Organismus mehr produzieren muss, als er selbst benötigt, um dadurch eine Verbindung zu anderen Bewohnern des gleichen Lebensraumes aufzunehmen.
Pflanzen produzieren mehr Samen, als sie zum Überleben ihrer Art benötigen. Dadurch geben sie anderen Lebewesen die Möglichkeit sich von diesen zu ernähren. So entsteht eine Beziehung zwischen diesen beiden Organismen. Durch die Vielzahl der Lebewesen, Produkten, Abfällen, Nutzungen, Funktionen usw. entsteht ein Netzwerk, ein Geflecht von Beziehungen, das man als "Öko-System" bezeichnet. Ein solches nutzbringendes Beziehungsgeflecht herzustellen zwischen einer Fläche, seinen Bewohnern und Nutzern - Menschen, Tieren und Pfanzen und den Standort-faktoren - Boden, Wasser, Licht und Luft, darum geht es bei der Permakultur.
Bill Mollison formulierte seine drei ethischen Grundsätze, um deutlich zu machen, dass das Ziel der Permakultur nicht eine optimale Landbewirtschaftung ist:
- Sorge für die Menschen
- Sorge für die Erde
- Begrenzung des Verbrauchs und faires Teilen.
Es ging ihm darum, dass der Mensch von einem zerstörerischen Element auf diesem Planeten (das er leider oft geworden ist) zu einem wohltuenden, heilendem Element wird.
Die indigenen Bewohner von Turtle Island (wie Nordamerika von ihnen genannt wird) leben nach folgenden ethischen Prinzipien:
- Wir sind alle eins und unser Leben ist miteinander verbunden.
- Alles Leben hat den gleichen Wert. Wir erkennen an und respektieren, dass alle Pflanzen und Tiere eine Lebenskraft haben.
- Unser traditionelles Wissen über die nachhaltige Nutzung und Bewirtschaftung von Ressourcen spiegelt sich in unserer innigen Beziehung zur Natur und ihren vorhersehbaren saisonalen Zyklen und Indikatoren für die Erneuerung des Lebens und des Lebensunterhalts wider.
- Wir sind Verwalter des Landes und des Meeres, von dem wir leben, und wissen, dass unsere Gesundheit als Volk und unsere Gesellschaft eng mit der Gesundheit des Landes und der Gewässer verbunden ist.
- Wir haben die Verantwortung zu teilen und zu unterstützen, um Kraft zu geben und andere stärker zu machen, damit unsere Welt überleben kann.
- Ökologische, demographische, sozio-politische und kulturelle Veränderungen haben stattgefunden, seit der Schöpfer uns in unserer Heimat angesiedelt hat, und wir haben uns kontinuierlich an diese Veränderungen angepasst und sie überlebt.
Diese Haltung sollte sich auch in unseren Handlungen und Planungen zeigen.